Informationen für Eltern

Sehr geehrte Eltern,
Ihre Tochter bzw. Ihr Sohn besucht eine Grundschule, die am landesweiten Pilotprojekt „Inklusive Grundschule“ teilnahm, eine sogenannte Pilotschule.

Was bietet die Pilotschule meinem Kind?

Was bietet die Pilotschule meinem Kind?

Eine Pilotschule ist auf dem Weg zu einer Schule für alle. So nennen wir die inklusive Schule der Zukunft, in der jedes Kind willkommen ist – ob es hochbegabt ist oder nicht ganz so schnell lernt oder im Rollstuhl sitzt. An der Pilotschule wollen wir jedes einzelne Kind individuell fördern und ihm die Unterstützung geben, die es braucht. Der Vorteil: Alle Kinder lernen gemeinsam miteinander und voneinander. Sie lernen Achtung voreinander und achten aufeinander. Hochbegabte Kinder entwickeln so soziale Fürsorge für ihre leistungsschwächeren Mitschüler – diese wiederum sind mitunter talentierter in Sport oder Musik. Eine Pilotschule nimmt seit dem Schuljahr 2012/13 alle Kinder in die 1. Klasse auf, auch die mit Unterstützungsbedarf beim Lernen oder bei Sprachschwierigkeiten sowie mit Auffälligkeiten im sozialen Verhalten – als erster Schritt zu einer Schule für alle.

Wie wird mein Kind unterstützt und gefördert?

Wie wird mein Kind unterstützt und gefördert?

Für die passgenaue Förderung Ihres Kindes gibt es vielfältige Möglichkeiten: Ein langsamer lernendes Kind bekommt beispielsweise weniger oder einfachere Aufgaben, ein hochbegabtes braucht vielleicht kompliziertere Sachverhalte und der Dritte lernt leichter mit Materialunterstützung als mit abstrakten Aufgabenstellungen. In ein- und derselben Klasse erledigen also einzelne Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Aufgaben. Jedes Kind lernt in seinem Tempo und erreicht seinen individuellen Lernfortschritt. Anschließend geht es – unter-stützt von Lehrkräften und Sonderpädagogen – den nächsten Schritt zu seinem persönlichen Erfolg an. Mitunter lernt Ihr Kind auch in wechselnden, kleineren Lerngruppen oder arbeitet im Klassenverband. Die Klasse kann für die individuelle Lern- und Leistungsförderung geteilt werden. Und manchmal braucht es auch eine Einzelförderung oder die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Wichtig ist: Die Lehrkräfte und Sonderpädagoginnen und -pädagogen kooperieren eng miteinander, um jedem Kind die optimale Unterstützung zu geben.

Ist die Pilotschule besser ausgestattet?

Ist die Pilotschule besser ausgestattet?

In neu eingerichteten 1. Klassen an einer Pilotschule lernen in der Regel 23 Schülerinnen und Schüler. Mitunter unterrichten zwei Lehrkräfte oder auch Sonderpädagoginnen und -pädagogen gemeinsam in einer Unterrichtsstunde. Dafür haben wir die Pilotschulen mit zusätzlichem Personal ausgestattet und mehr als 100 Lehrkräfte neu eingestellt. Wie diese zusätzliche Unterstützung genutzt wird, darüber entscheidet jede Pilotschule selbst. Das kann mal für ein leistungsschwaches, mal für ein hochbegabtes, mal für ein Kind mit besonderem Unterstützungsbedarf sein. Für besondere Problemlagen steht bei den staatlichen Schulämtern ein weiterer Stundenpool bereit.

Gibt es weiterhin Zensuren?

Gibt es weiterhin Zensuren?

Das entscheidet jede Pilotschule für die Klassen 1 bis 4 selbst, denn jede der 84 Pilotschulen im Land hat sich als inklusive Grundschule ein eigenes Konzept gegeben. Fragen Sie doch einfach in Ihrer Schule nach. Allen gemeinsam ist, dass jede Pilotschule in den ersten Wochen für jedes Kind einen Lernplan auf der Grundlage einer „individuellen Lernstandsanalyse“ erstellt. Das bedeutet: Die Lehrkräfte und Sonderpädagoginnen und -pädagogen schauen gemeinsam, wo Ihr Kind steht, welche Stärken und Begabungen es hat und wo es welche Unterstützung braucht. Danach richtet sich auch die Bewertung: Für ein langsameres Kind ist ein kleiner Schritt oft ein sehr viel größerer Lernerfolg als für einen Schnelllerner. Aber auch das begabte Kind benötigt eine passend zugeschnittene Herausforderung und Bewertung.

Werden die Lehrkräfte besonders fortgebildet?

Werden die Lehrkräfte besonders fortgebildet?

Ja, die Lehrkräfte an Pilotschulen erhalten eine besondere Fortbildung. Sie sollen den Unter-stützungsbedarf der Kinder erkennen und die Förderungen jederzeit anpassen. Außerdem bringen zusätzliche, sonderpädagogisch geschulte Lehrkräfte ihre Erfahrungen in die Schulteams ein. Inklusions-Beraterinnen und -Berater unterstützen die Pilotschulen auf dem Weg zu einer Schule für alle. Alle Pilotschulen werden zudem wissenschaftlich begleitet und beraten.

Gibt es weiterhin Feststellungsverfahren?

Gibt es weiterhin Feststellungsverfahren?

Wenn Eltern bei ihrem Kind eine Behinderung oder einen Förderbedarf vermuten, mussten sie bislang ein oft langwieriges Verfahren in Kauf nehmen, um einen sonderpädagogischen Förderbedarf feststellen zu lassen. An Pilotschulen kann ein solches Feststellungsverfahren für die Förderschwerpunkte „Lernen“, „emotionale und soziale Entwicklung“ sowie „Sprache“ entfallen. Der Grund: Jede Pilotschule wird pauschal mit zusätzlicher sonderpädagogischer Begleitung ausgestattet, egal, ob oder wie viele Kinder mit oder ohne speziellen Förderbedarf in der Klasse gemeinsam lernen. Die individuelle Förderung steht an der Pilotschule jedem Kind zu. Bei den Feststellungsverfahren gibt es eine Ausnahme: Für ein Kind mit erheblichen körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen oder einer Sinnesbeeinträchtigung muss es weiter durchgeführt werden.

Warum startet die Pilotschule gerade jetzt?

Warum gibt es Pilotschulen?

Aus mehreren Gründen: Wir wollen, dass künftig jedes Kind die bestmögliche Förderung an der Schule in seiner Nähe erhält. Jedes Kind, egal welche Voraussetzungen es mitbringt, soll die Chance auf einen regulären Schulabschluss und damit auf eine gute Ausbildung oder ein Studium haben. Nur so hat es – haben wir – eine gute Zukunft im Land. Wir wollen eine vielfältige, solidarische Gesellschaft, in der jeder Einzelne wichtig ist. Vielfalt ist ein Reichtum, denn jeder bringt höchst Unterschiedliches in die Gemeinschaft ein. Zudem hat jeder das Recht auf inklusive Bildung, auf den Zugang zu allen Bildungsangeboten, unabhängig von seinen Voraussetzungen – so steht es in der UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland 2009 unterschrieben hat. Diesen Rechtsanspruch wollen wir schrittweise umsetzen, deshalb haben wir das Pilotprojekt Inklusive Grundschule ab dem Schuljahr 2012/13 gestartet.

Was bedeutet eigentlich das Wort „Inklusion“?

Was bedeutet eigentlich das Wort „Inklusion“?

Das Wort „Inklusion“ stammt vom lateinischen Wort „inclusio“ ab und bedeutet soviel wie „Einschluss“ oder „dazugehören“. Eine inklusive Schule ist also eine Schule für alle, in der jedes Kind willkommen ist und dazugehört. Mit der inklusiven Schule fangen wir übrigens nicht bei Null an: Bereits jetzt werden im Land Brandenburg mehr als 45 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam mit allen anderen Kindern und Jugendlichen an unseren Regelschulen unterrichtet. Und die meisten machen im Schulalltag sehr gute Erfahrungen damit.

Was können Eltern zum Gelingen beitragen?

Was können Eltern zum Gelingen beitragen?

Sie kennen Ihr Kind am allerbesten – Ihr Sachverstand ist gefragt. Wenn Sie wollen, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn in einer vielfältigen Gemeinschaft, in einer „Schule für alle“ optimal lernt, dann unterstützen Sie die Pilotschule in ihrem Förderkonzept. Fragen Sie am besten in der Schule Ihres Kindes nach, was Sie tun können. Die „Schule für alle“ bietet Ihrem Kind die Unterstützung, die es braucht, und gibt ihm etwas Wichtiges mit auf den Weg: Alle Kinder lernen gemeinsam miteinander und voneinander. Sie lernen Achtung voreinander und achten aufeinander.

> Flyer: Informationen für Eltern

Herausgeber
Ministerium für Bildung, Jugend und Sport 
des Landes Brandenburg 
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
(v.i.S.d.P.) August 2013

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