Geschichte der Inklusion

Die Schüler sitzen bei der Gruppenarbeit im Kreis.

Der Begriff „Inklusion“ stammt in seiner ursprünglichen Wortbedeutung aus dem Lateinischen und bedeutet „Einschluss“, „enthalten sein“ oder „dazu gehören“. Er bezeichnet den Anspruch, dass alle Menschen selbstverständlich in allen Bereichen der Gesellschaft mitmachen – unabhängig ihrer religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen, ihres Geschlechts, ihrer sozialen Lage, ihres Alters, ihrer kulturellen Hintergründe, ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung und ihrer körperlichen oder geistigen Behinderungen.

Inklusion als Bürgerrechtsbewegung

Der Inklusionsbegriff entstand, als sich Anfang der 1970er- Jahre Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen in den Vereinigten Staaten für die volle gesellschaftliche Teilhabe einsetzten. Diese Bewegung erreichte, dass bereits 1975 die Gesetzgebung zur sonderpädagogischen Förderung in den Vereinigten Staaten verändert wurde. 15 Jahre später verabschiedete der US-Kongress das Gesetz „The Americans with Disabilities Act“ (ADA), in dem die Diskriminierung sowohl in öffentlichen Einrichtungen als auch in privaten Dienstleistungs- und Arbeitsbereichen untersagt wird. Es wurde im Juli 1990 vom US-Präsidenten unterzeichnet.
In Bezug auf Bildung spielte der Begriff „Inklusion“ erstmals 1994 bei der UNESCO-Weltkonferenz im spanischen Salamanca eine wichtige Rolle: Mehr als 300 Regierungsvertreterinnen und -vertreter aus fast 200 Staaten der Welt sowie zahlreiche Behindertenverbände beschlossen auf Initiative der Vereinten Nationen in der „Salamanca-Erklärung“ ein Programm zu einer „Schule für alle“. Die Schulen sollten darin unterstützt werden, allen Kindern gerecht zu werden und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.
> Salamanca-Erklärung von 1994

UN-Behindertenrechtskonvention weltweit

Im Dezember 2006 haben die Vereinten Nationen die Behindertenrechtskonvention verabschiedet oder genauer: das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“. Darin verpflichten sich die Vertragsstaaten der Vereinten Nationen, in allen gesellschaftlichen Bereichen Bedingungen zu schaffen oder weiterzuentwickeln, die Menschen mit Behinderungen ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Es geht beispielsweise um das Recht auf Barrierefreiheit, auf unabhängige Lebensführung, auf Gesundheit und Arbeit sowie auf Bildung und Erziehung.
Ein wichtiges inklusives Recht von Menschen mit Behinderung ist das Recht auf Bildung. Dazu heißt es in Artikel 24 der Behindertenrechtskonvention: „Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen.“

> UN-Behindertenrechtskonvention


Inklusion kommt in Deutschland an

Im März 2009 haben der Bund und die Länder die UN-Konvention für Deutschland ratifiziert – damit ist die Konvention für alle deutschen Bundesländer verbindlich. Mit der Förderung und Überwachung dieses Prozesses ist das Deutsche Institut für Menschenrechte e.V. in Berlin beauftragt. Bund und Länder haben sich laut Artikel 4 der UN-Behindertenrechtskonvention dazu verpflichtet, die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen, Benachteiligungen zu verhindern und zweckentsprechende Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstige Maßnahmen zu treffen. Dazu hat Bundesregierung im Juni 2011 den „Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention“ vorgestellt.
> Nationaler Aktionsplan der Bundesregierung von 2011

So soll beispielsweise der Zugang für die Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen zu allgemeinen Regelschulen erleichtert werden. Durchschnittlich rund 6 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf – und mehr als 80 Prozent von ihnen besuchen derzeit eine Förder- bzw. Sonderschule. Das soll sich ändern. In anderen europäischen Ländern werden längst viel mehr Kinder und Jugendliche integrativ – also im gemeinsamen Unterricht an einer Regelschule – beschult, Deutschland hinkt da hinterher.
> Blick über den Tellerrand

Inklusion im Land Brandenburg

Die brandenburgische Landesregierung aus SPD und Linken hat die Umsetzung von Inklusion im Land Brandenburg im November 2009 in ihrem Koalitionsvertrag verankert.
> Koalitionsvertrag „Gemeinsinn und Erneuerung – ein Brandenburg für alle"

Im Jahr 2011 hat die Landesregierung das „Behindertenpolitische Maßnahmenpaket“ verabschiedet, in dem unter anderem festgeschrieben ist, dass der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen sowie mit sonderpädagogischem Förderbedarf weiter ausgebaut wird.
> Behindertenpolitisches Maßnahmenpaket

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