Idee

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Drei Mädchen vor der Schultafel lösen eine Aufgabe.

Gemeinsamer Unterricht

Die Grundschule bietet schon jetzt allen Kindern die Chance, gemeinsam zu lernen. Das gilt für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf genauso wie für begabte Kinder, für die stillen, unauffälligen Lernenden ebenso wie für die Unruhigen. Kinder brauchen aber auch so oft wie möglich die Gewissheit, etwas gut zu können. Sie brauchen ausreichend Gelegenheit, ihr Können zu zeigen, und die Sicherheit, so viel Unterstützung zu erhalten, wie nötig ist. 

Sonderpädagogen von Anfang an dabei

Deshalb sind in der inklusiven Schule die Sonderpädagoginnen und -pädagogen von Anfang an dabei und machen gemeinsam mit allen anderen Lehrkräften Lernangebote für alle Kinder. Das können beispielsweise für die langsamer lernenden Kinder spezielle, einfachere oder leichter verständlichere oder in ihrem Umfang verringerte Lernangebote sein. 

Pilotschulen

Die Pilotschulen praktizieren das mit unterschiedlichen Konzepten, die sie sich selber gegeben haben. Sie haben mit Beginn des Schuljahres alle Kinder in die 1. Klasse aufgenommen, auch die mit Unterstützungsbedarf beim Lernen oder bei Sprach- schwierigkeiten sowie Auffälligkeiten im sozialen Verhalten. Inklusive Angebote für Kinder und Jugendliche mit anderen Förderschwerpunkten  sollen später folgen. Von den Erfahrungen der Pilotschulen auf dem Weg zur „Schule für alle“ werden andere Schulen profitieren.

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Bunter Rechenschieber im Klassenzimmer.

Stärken und Schwächen berücksichtigen

Für jedes einzelne Kind müssen die Lernvoraussetzungen, also Stärken und Schwächen, Lernmöglichkeiten, Lernwege und das Lerntempo berücksichtigt werden. Dazu werden bereits in den ersten Wochen des gemeinsamen und auch sehr unterschiedlichen Lernens für alle Kinder individuelle Lernstandsanalysen erstellt. So können die Kinder von Anfang an entsprechend ihren Voraussetzungen und erreichten Lernfortschritten unterstützt werden, um den nächsten Lernschritt absolvieren zu können.

Leichte und schwere Aufgaben

Das bedeutet, dass in derselben Klasse zum gleichen Thema bzw. im gleichen Unterrichtsfach die einzelnen Schülerinnen und Schüler sehr verschiedene Aufgabenstellungen erledigen, leichtere oder schwere, mehr oder weniger umfangreiche Lernaufgaben. 

Kleine Lerngruppen

Sie werden dabei von den Lehrkräften oder auch anderen Schülerinnen und Schülern unterstützt oder lernen miteinander in kleineren Lerngruppen, die auch immer wieder wechseln können. In einigen Unterrichtsstunden unterstützen zwei Lehrkräfte oder andere Pädagoginnen und Pädagogen gleichzeitig die Kinder einer Klasse, manchmal wird auch die Klasse in zwei unterschiedliche Kleingruppen für dasselbe Unterrichtsfach oder Thema getrennt unterrichtet. Auch wenn nicht an allen Tagen und in jeder Unterrichtsstunde zwei Lehrkräfte anwesend sind, bleibt dieses Prinzip der individuellen Lern- und Leistungsförderung erhalten. 

Nächste Lernschritte

Natürlich schätzen die Lehrkräfte, aber auch vor allem die Kinder selbst ihre Lernergebnisse und ihre Lernentwicklung ein und legen gemeinsam fest, welches die nächsten Lernschritte sind. Zensuren, die miteinander verglichen werden können, helfen dabei weniger. Deshalb kennen die Kinder und Eltern von Anfang an die Anforderungen, was Kinder lernen können, damit sich auch jedes Kind anstrengen kann, immer weiter zu lernen.

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Junge hilft Mädchen bei einer Aufgabe.

Unterschiedliches Anforderungsniveau

Die Anforderungen sind für jedes Unterrichtsfach auf unterschiedlichen Lernebenen oder Levels in einem Kompetenzraster festgelegt, wovon jeder Schüler oder jede Schülerin und auch ihre Eltern ablesen können, wo ihr Kind gerade steht und wo es sich noch besonders anstrengen muss. Und die Lehrerkräfte sehen daran auch, wo die einzelne Schülerin oder der Schüler noch in besonderer Weise allein oder in einer Kleingruppe gefördert werden muss, damit sie oder er die individuell möglichen und notwendigen Ziele erreicht.

Behutsame Umstellung

Die Umstellung des bisher getrennten Schulsystems der allgemeinen Schulen auf der einen Seite und der Förderschulen auf der anderen Seite erfolgt in wohlüberlegten und langsamen Schritten, damit alle Beteiligten, Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler sich auf das gemeinsame Lehren und Lernen einstellen können. Die Förderschulen für geistig behinderte Kinder und Jugendliche, für seh- und hörbehinderte sowie für körperbehinderte Kinder und Jugendliche werden – soweit die Eltern es wünschen – weiter vorgehalten. Das gemeinsame Lernen möglichst aller Kinder, zukünftig auch über die Grundschulzeit heraus, ist natürlich ein anderer Weg als der bisherige. Aber damit soll zukünftig zugleich erreicht werden, dass mehr Kinder und Jugendliche als bisher einen Schulabschluss und eine berufliche Perspektive erhalten können. Und das sollte doch eigentlich „normal“ sein.

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